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Zitat des Tages
Epiktet
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen darüber machen uns glücklich oder unglücklich.


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Mensch, werde wesentlich



Das Quantenlachen
Quanten sind in der Spiri-Szene die neue, angesagte Herbstmode: Man heilt jetzt nicht mehr nur mit Energie, Herz, Bewusstsein oder Liebe, sondern mit Quanten und aus dem Quantenfeld heraus.

Es könnte mir eigentlich egal sein, mit was man da heilt, wenn man nur heilt und es liebevoll geschieht und ohne jemandem zu schaden. Ich habe allerdings den Eindruck, dass das nicht immer liebevoll geschieht und mit der nötigen therapeutischen Kompetenz, sondern oft aus einem modischen Bewusstsein heraus und effektheischend. Nun heilen alle »mit Quanten«, also muss auch ich mit Quanten heilen, sagt man sich als zeitgemäßer Therapeut oder Heilpraktiker. Es ist doch ganz einfach! Und »es funktioniert immer!«

Quantenphysik


Mehr denn je wird der Begriff »Quanten« in den Mund genommen von Menschen, die keine Ahnung haben von der Quantenphysik. Meist wissen sie nicht einmal, was das Wort »Quant« (von lat. quantum) eigentlich bedeutet (es bedeutet ungefähr »eine Portion«, z.B. von Energie). Selbst Einstein, der gewiss kein Dummkopf war, hatte Schwierigkeiten, die Quantenphysik zu verstehen und lehnte sie zunächst ab (»Gott würfelt nicht«, war eine seiner Aussagen hierzu). Damals hieß es, weniger als zehn oder zwanzig Menschen auf der Welt würden überhaupt die Quantenphysik wirklich verstehen. Heute sind es anscheinend Millionen, und besonders unter Esos und Spiris gibt es sehr viele Quantenprofis, die darin Leute wie

Einstein übertrumpfen


Als ich 1971 begann, in München Physik zu studieren, lag das daran, dass mich die Erkenntnisse von Einstein, Max Planck, Heisenberg und all den anderen Revolutionären der modernen Physik der ersten Hälfte es 20. Jahrhunderts elektrisiert hatten. Ich hatte schon als Schüler viel davon gelesen und wollte das nun auch studieren. Das Studium selbst war für mich dann allerdings enttäuschend, aber der Hunger nach diesem Wissen und die Neugier sind geblieben. Die Schriften des Heisenberg-Schülers Hans-Peter Dürr, von denen ich einige in connection veröffentlich habe, haben mich schließlich wieder an den Geist erinnert, mit dem ich damals als 18-jähriger mein Studium der Naturwissenschaften begonnen hatte.

Geistheilung


Heute in der Eso-Szene gibt es Quantenheilung, ein Quantenfeld, Quantenpsychologie, den Quantencode, Quantenaktivisiten und was nicht alles. Da wird von der in der Quantenphysik verborgenen Weisheit noch nicht einmal nur das Sahnhäubchen hergenommen, sondern einen Sprenkel des von diesem Sahnehäubchens hinterlassenen Fettflecks tupft man sich auf sein Heilpraktikerschild und sagt dann mit stolzgeschwellter Brust: Ich heile auf der Basis der Quantenphysik!

Die Interaktion zwischen Heiler und Heilung Suchendem ist tatsächlich eine, in der die Identitäten von Objekt und Subjekt verschmelzen dürfen, vielleicht sollen oder müssen sie das sogar. Jeder Heilungsvorgang zwischen Menschen, die wir ja sowohl geistige wie körperliche Wesen sind, hat auch mit dem Geist zu tun und ist insofern immer mehr oder weniger auch »Geistheilung«. Solche Heilung hat aber nichts mit Geistern zu tun, sondern hier ist »der« Geist oder Spirit gemeint, anders gesagt: das Ganze; oder auch, etwas bescheidener: die nächsthöhere Metaebene der Betrachtung. Heilung hat immer auch mit der Hingabe an die Selbstheilungskräfte »der Natur« zu tun (»Natur« ist ein Wischiwaschiwort, aber unter uns Romantikern sehr beliebt) und wird davon begünstigt. Oder wenn du es lieber etwas religiöser ausdrücken willst, etwas traditioneller und nicht so modern-romantisch: mit der Hingabe an Gott.

Zeit ist eine Illusion


Die Quantenphysik erklärt physikalische Vorgänge im Nano-Bereich, unterhalb der Größe von Molekülen. Für die Erklärung von Vorgängen im »Meso-Bereich«, also zwischen uns Menschen im Alltag, taugt sie nicht. Deshalb nenne ich die Erklärungen von Geistheilungen mit Begriffen aus der Quantenphysik einen Missbrauch dieser Begriffe. Das ist etwa so, wie wenn du zu einem Termin zu spät kommst und dann Einstein anführst: Zeit ist eine Illusion. Gewiss ist Zeit eine vom Beobachter abhängige Größe, darin hatte Einstein recht. Schön, dass das bei dir hängengeblieben ist. In diesem Falle aber ist diese Wahrheit eine Ausrede, denn im Mesobereich gilt die Newtonsche Physik, und in der gilt, dass wir uns für 17 h verabredet hatten und du zu spät gekommen bist.

Das zivilisierte Lachen geschieht in Häppchen


Ich will nun aber nicht von den sauren Trauben der Quantenheilung sprechen, die ich aufgrund meines beschränkten Bewusstseins nicht erreichen kann, und als Verächter der Modewelle »Quanten« draußen stehen, während alle im Heilungsfieber einander zu ihrem tiefen Verständnis gratulieren. Deshalb habe ich mich nun doch unter die Modernisierer gemischt und vertrete jetzt den »Quantenhumor«. Ich habe nämlich entdeckt, dass Lachen kein kontinuierlicher Vorgang ist, sondern genau besehen, in Quanten abläuft. Zumindest kann man das Lachen, so wie das Licht, nicht nur als Welle beschreiben, sondern auch mithilfe der Teilchentheorie, also mit »Quanten«. So wie das Licht ist auch das Lachen nicht (oder nicht immer) ein Kontinuum: Der Lachschwall, die Lachsalve oder das irre Lachen fließen einfach so dahin. Insbesondere das zivilisierte Lachen hingegen ist kein Kontinuum, sondern es ereignet sich in Häppchen, die etwa so klingen wie »äha« oder »öhö«, ganz anders als der oft kaum zu bremsende Schwall von lauten Atemgeräuschen beim wilden Lachen.

Um die Menschheit an dieser wichtigen Entdeckung teilhaben zu lassen, habe ich mich nun entschlossen, diese auf unserem Herbstfest etwas näher vorzustellen und mit unseren Besuchern einzuüben, so dass in Zukunft nicht mehr so grob unzivilisert gelacht werden muss, sondern zeitgemäß sauber gequantelt, in Häppchen – »Quanten«.

 
 




Weitere Kolumnen von: Wolf Schneider


   



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Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jahrgang 1952, studierte Naturwissenschaften und Philosophie in München. Schon während seines Studiums begab er sich auf Reisen. Die nächsten Jahre verbrachte er in Europa und Südasien, wo er ab 1976 als buddhistischer Mönch in Thailand lebte und von 1977-1990 Schüler von Osho war. Zurück in München gründete er 1985 die Zeitschrift connection, die noch heute als connection Spirit mit der Sonderheftreihe connection Special erscheint. Seinen 2005 gegründeten Verlag mit integrierter "Schule der Kommunikation" wandelte er Anfang 2008 erfolgreich in eine AG um. Im Connectionhaus veranstaltet er Jahrestrainings unter dem Motto: "Kreativität, Kommunikation und Inszenierung". Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zu kommunizieren, schenkte er uns ein wunderbares Theaterstück (Zauberkraft der Sprache) und zahlreiche Bücher, die uns Leser in eine spannende Welt der Spiritualität entführen. Sein neuestes Buch: "Das kleine Lexikon esoterischer Irrtümer" erscheint im August 2008 im Gütersloher Verlagshaus.



Zusätzliche Informationen:
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