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Zitat des Tages
Mark Twain



Ich habe in meinem Leben eine Menge Probleme gekannt, die meisten davon sind nie eingetreten.





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Mensch, werde wesentlich



ERLEUCHTUNG - oder Ohso hat Zahnschmerzen
Erleuchtung, was für ein großes Wort! Auch auf Englisch (enlightenment) wirkt es immer noch groß und begehrenswert, obwohl man es dort auch als Erleichterung verstehen könnte (light heißt auch leicht). Auf jeden Fall bedeutet es dort auch Aufklärung, dieses große Ziel der Philosophie und Politik des 18. Jahrhunderts.Viele Jahre lang hat mich die Suche nach Erleuchtung bewegt, sogar angetrieben. Als Philosophiestudent in München las ich davon, stutzte, ging darüber hinweg. Zu utopisch, was dem Buddha da widerfahren sein soll. Als ich dann aber in Thailand in einem Meditationskloster selbst zu meditieren begann, schien es auf einmal greifbar nahe. Ein Vipassana-Retreat hatte mich drauf gebracht: Atmen, Dasein, Ekstase! Die Erleuchtung schien so nah. Drei Minuten lang den Atem verfolgen können, wenn’s weiter nichts ist, das würde ich schon schaffen; ein paar Sekunden lang ging es ja bereits. Die Sehnsucht nach der Vervollkommnung war so groß und die Erfüllung schien so nah – schnurstracks wurde ich Mönch. Alles wollte ich hingeben dafür.
Erleuchtungsstrebertum
Die folgenden Monate im Kloster waren geprägt von liebevoller, strenger Disziplin. Sanft und freundlich, aber im Grunde unerbittlich strebten wir Mönche alle – zumindest die Westler unter uns – nach diesem einen: erleuchtet werden!
Im Lauf der Monate aber erwies sich das Kloster als Teil der Thai-Gesellschaft, tief verfilzt mit der Politik, und auch mit mir ging es irgendwie nicht weiter. Ich hatte mich im Erleuchtungsstrebertum verfangen. Einen Lehrer hatte ich nicht, nur die Schriften, und so verließ ich das Kloster.
Wieder auf Reisen traf ich einen Sannyasin, der von Osho sprach. Wenn es einen lebenden Buddha gibt, dann musste er es sein, das war mir sofort klar. Ich trampte nach Poona und war hin und weg. Sannyas zog mich nicht an, aber Er! So leicht sollte es sein, »dort«?? Das wollte ich auch. Und so begann meine zweite Phase des Erleuchtungsstrebertums, die secondary school – weniger ernst und lustvoller als die Mönchszeit, aber immer noch Schule. Sie hatte ein Ziel: Dort, wo Er ist, da will auch ich sein.
Nach zwei Jahren Sannyas mit täglichen Meditationen und zig Gruppen kam ich mir den Neulingen gegenüber ziemlich alt vor, aber … erleuchtet? Nichts da. Ein Blick auf meine menschlichen Schwächen genügte. Wo war der Fehler im System? Was machte ich falsch? War womöglich die Suche selbst ein Hindernis? »Nirvana – the last nightmare«, stand auf einem der Bücher, die ich im Ashram verpacken half. Immerhin der letzte Alptraum sollte es sein, nach dem würde es keine weiteren mehr geben. Es bestand also Hoffnung.
Aufgeben ging nicht
»Sei dir selbst ein Licht« hatte Buddha gesagt. »Sei dir selbst ein Witz« war Oshos schlitzohriges Update. Mir dämmerte: Die Suche selbst ist es! Sie aufzugeben aber ging nicht. Allenfalls Suchbewegungen nach was Anderem wären an ihre Stelle getreten. Ich war gefangen.
Sehr klar erinnere ich mich noch an die Nachricht, die uns in Poona schockierte: Osho hat Zahnschmerzen! Was … auch er? Nicht zu fassen. So hatte ich mir die Erleuchtung nicht vorgestellt. Wofür dann dieser ganze Stress, wenn man dort nicht mal vor Zahnschmerzen sicher ist?
Abrieb
Heute hat sich das Thema für mich abgerieben. Das allmähliche Zunehmen von Weisheit ist mir lieber als ein Warten auf den großen Durchbruch. Aber auch hier: Abrieb. Denn auch an der Weisheits-Karotte scheitere ich umso deutlicher, je genauer ich meine täglichen Dummheiten bemerke. So ist mir heute die Erleuchtung ähnlich nah und fern wie die bedingungslose Liebe: erstrebenswert, aber sowohl unerreichbar wie schon immer erreicht.
Zum Genüsslichsten in meinen Esoterik-Kabarett Auftritten gehört für mich heute die Karikatur des Erleuchtungsstrebens und der Position des »Erleuchteten«. Sollte ich mich nicht schämen, über das zu spotten?« Nein, denn mitten drin in der Karikatur des einst Sakrosankten ist sie plötzlich da, die begehrte Leichtigkeit. Auch Karikatur kann enlightening sein.
Wolf Schneider, Jg. 1952. Autor, Redakteur, Kursleiter. Studium der Naturwiss. und Philosophie (1971-75) in München. 1975-77 in Asien, dann D-land, Italien, USA, Holland. 1985 Gründung der Zeitschrift connection. Seit 2008 Theaterspiel & Kabarett. Kontakt: schneider@connection.de, Blog: www.schreibkunst.com




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Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jahrgang 1952, studierte Naturwissenschaften und Philosophie in München. Schon während seines Studiums begab er sich auf Reisen. Die nächsten Jahre verbrachte er in Europa und Südasien, wo er ab 1976 als buddhistischer Mönch in Thailand lebte und von 1977-1990 Schüler von Osho war. Zurück in München gründete er 1985 die Zeitschrift connection, die noch heute als connection Spirit mit der Sonderheftreihe connection Special erscheint. Seinen 2005 gegründeten Verlag mit integrierter "Schule der Kommunikation" wandelte er Anfang 2008 erfolgreich in eine AG um. Im Connectionhaus veranstaltet er Jahrestrainings unter dem Motto: "Kreativität, Kommunikation und Inszenierung". Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zu kommunizieren, schenkte er uns ein wunderbares Theaterstück (Zauberkraft der Sprache) und zahlreiche Bücher, die uns Leser in eine spannende Welt der Spiritualität entführen. Sein neuestes Buch: "Das kleine Lexikon esoterischer Irrtümer" erscheint im August 2008 im Gütersloher Verlagshaus.



Zusätzliche Informationen:
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