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Zitat des Tages
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Spiegel.de

In bestimmter Weise habe ich auch was zu sagen. Aber ich kann viel sagen, wenn nicht andere mitmachen. (zu einigen Sternsingerkindern, die sie im Kanzleramt besucht haben)


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Mensch, werde wesentlich



Was ist Liebe?

Katzen und Menschen suchen sie
Mein erster Gang morgens führt immer in die Küche, zum Wassertrinken. Da sehe ich meine Katze draußen am Fenster. Wenn sie reinwill, dann klettert sie dort den Baum hoch und wartet, bis ich in die Küche komme und das Fenster aufmache. Ich öffne es, lasse die frische Morgenluft rein, höre das Vogelzwitschern nun viel lauter (im Frühling ist es immer so laut!) und nehme die Katzenkönigin in Empfang. Bin selbst noch nackt, sie hat ihr Fell an, wie immer. Ich nehme sie in meine Arme, sie kuschelt sich rein und schnurrt. Ich stecke meine Nase in ihr Fell, es duftet nach Katze, ich kraule sie, höre ihr Schnurren und durch das offene Fenster das Morgenkonzert der Vögel. Bin glücklich, einfach glücklich.
Eine sexuelle Vereinigung mit einem Menschen kann nicht schöner, nicht vollkommener sein, als diese Kommunion mit meiner Katze, denke ich – erstens. Und zweitens: Bin ich verrückt? Vereinigen sich zwischen zwei Menschen nicht auch zwei Bewusstseins (äh … gibt es das im Plural)? Zwei erst noch sich getrennt Wähnende sind nun nicht nur ein Fleisch, sondern auch ein Geist geworden? Und ich stehe hier, nackt in der Morgenluft mit meiner Katze im Arm, bin glücklich und weiß, dass auch sie glücklich ist, vollkommen glücklich.
 
Ein Körper, ein Geist
Doch, es ist so (hier im Blog darf ich es doch sagen): Diese Liebe zu meiner Katze ist echte Liebe, auf meiner wie auf ihrer Seite. Eine Stunde vorher lag ich noch bei meiner Freundin, an ihren Rücken gekuschelt, und mir fehlte nichts (auch keine Katze). Wir beide im Halbschlaf, uns aneinander räkelnd, dann wieder still – es fehlte nichts. Ein Körper, ein Geist, wir beide im All versunken.
Empfinde ich das auch so mit einer Pflanze, mit Erde, mit einem Stein? Ja, in dieser Reihenfolge abnehmend. Noch mehr als mit einer Pflanze fühle ich es mit einem Tier. Weniger mit einem Käfer, auch kaum mit einem Fisch, aber mit einem Tier, von dem ich weiß, dass es von mir weiß und meine Nähe sucht – am besten, es hat auch noch ein Fell, so wie meine Katze Luzi. Die Liebe, die ich beim Kraulen von ihr empfinde, ist nicht anders als die bei einer Massage. Bei Luzi ist die Hingabe sogar noch größer – kein Mensch kann sich so vorbehaltlos einer Massage hingeben wie eine Katze.
 
Die Liebe des KZ-Aufsehers zu seinem Hund
Solch eine »Affenliebe« ist erotisch, aber die anderen beiden Teile (von der Dreiheit Eros, Caritas, Agape) fehlen: die Fürsorge und das Verständnis. Die sind nur auf einer Seite da, auf meiner. Luzi sorgt nicht für mich,jedenfalls nicht im üblichen Sinn. Sie versteht mich auch nicht, im üblichen Sinn. Es ist aber auch dieser übliche Sinn wichtig. Er fehlt auch dort, wo ein KZ-Aufseher seinen Schäferhund liebt. Ich will das jetzt nicht aus Gründen der politischen Korrektheit schlechtreden: Der KZ-Aufseher liebt seinen Hund, und diese Liebe ist nicht schlechter und vielleicht auch nicht geringer als meine Liebe zu meiner Katze. Wäre der KZ-Aufseher aber ein vollständig Liebender, dann würde er allen Wesen gegenüber diese Liebe äußern, in besonderer Weise den ihm ähnlichen gegenüber, den Menschen; und diese Liebe wäre dann nicht nur eine erotisch-tierische, sondern auch eine verständnisvolle und fürsorgliche. Um seinen Job als KZ-Aufsehr ausführen zu können, muss er diese Teile unterdrücken. Dass er sie nicht hat, das glaube ich nicht. Jeder Mensch hat diese Anteile. Wer anderen gegenüber verständnislos und grausam ist, unterdrückt sie und ist sich ihrer wahrscheinlich nur in geringem Maße bewusst. Der Einflussbereich von Erziehung und biografischer Prägung ist hier immens.
 
Die Liebe des Meers
Von Liebe wird fast so oft bewusst- und besinnungslos gesprochen wie vom Herzen. »I love it« als spontaner Ausdruck von Sympathie, Gefallen oder Genuss, diese Redensart meint den sinnlichen Teil der Liebe zu einem dinglichen Objekt, das diese nicht erwidert. Ich liebe den Wald, die Natur, die Berge, das Meer … ja, gut, aber liebt das Meer mich? Liebt es mich auch dann noch, wenn ich, nachts allein an der Reling eines Kreuzfahrtschiffs stehend, mich in das Geliebte hinein stürze und meine Rufe im Lärm des Motors und der von der Schiffsschraube aufgewühlten Wellen untergehen? 
 




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Radio-Interview mit Wolf Schneider:
Teil 1 - Teil 2 - Teil 3 - Teil 4





Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jahrgang 1952, studierte Naturwissenschaften und Philosophie in München. Schon während seines Studiums begab er sich auf Reisen. Die nächsten Jahre verbrachte er in Europa und Südasien, wo er ab 1976 als buddhistischer Mönch in Thailand lebte und von 1977-1990 Schüler von Osho war. Zurück in München gründete er 1985 die Zeitschrift connection, die noch heute als connection Spirit mit der Sonderheftreihe connection Special erscheint. Seinen 2005 gegründeten Verlag mit integrierter "Schule der Kommunikation" wandelte er Anfang 2008 erfolgreich in eine AG um. Im Connectionhaus veranstaltet er Jahrestrainings unter dem Motto: "Kreativität, Kommunikation und Inszenierung". Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zu kommunizieren, schenkte er uns ein wunderbares Theaterstück (Zauberkraft der Sprache) und zahlreiche Bücher, die uns Leser in eine spannende Welt der Spiritualität entführen. Sein neuestes Buch: "Das kleine Lexikon esoterischer Irrtümer" erscheint im August 2008 im Gütersloher Verlagshaus.



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