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Zitat des Tages
Bernhard de Bovier
Immer vorwärts, nie zurück, frischer Mut bringt neues Glück. Ich wünsche dir ein frohes Leben, Gesundheit und das rechte Streben nach allem Schönen auf der Welt. Ich denk, dass dir mein Spruch gefällt.


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Mensch, werde wesentlich



Treue / Auf der Suche nach dem Ewigen
Je mehr sich in der Außenwelt bewegt, umso wichtiger wird innere Stärke. Und auch das: Treue.
Aber was ist Treue? Wem oder was dürfen, wem müssen wir da treu sein? Mit dem platten Verbot eines ehelichen oder sonstwelchen Seitensprungs ist die Tiefe unseres Bedürfnisses nach Beständigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit – nach einer Geborgenheit im Strom der Ereignisse – ja noch nicht gestillt. Zeit für eine Neubestimmung.
»Alles fließt«
Eine Freundin von mir erzählte, wie sie schon als Kind bei dem Wort »Ewigkeit« ein heiliger Schauer überlief. Weil alles vergeht. Wirklich alles? Das können wir nicht akzeptieren. An irgendetwas muss sich der Mensch doch halten können! Deshalb suchen wir nach dem Ewigen, dem Zeitlosen und wenden uns der Philosophie zu, den Religionen, dem Religiösen und der Spiritualität. »Alles fließt« (pantha rei), das war das Fazit des weisen Heraklit. »Alles ändert sich« (anicca), so nannte es Buddha. Hat unsere Suche nach dem Ewigen angesichts solch gewichtiger Aussagen der Weisen überhaupt eine Chance mehr als nur tröstend zu sein?
Bindungen – im Fluss
Wir Menschen brauchen Bindungen. Sie können Gewächshäuser sein, Inseln im Strom der Zeit, Schutzräume vor dem Zuviel auf dem Markt der Möglichkeiten. Für Kinder sind sie unentbehrlich, für Erwachsene fast ebenso und sogar auch für Suchende nach Ungebundenheit sind Bindungen unendlich wertvoll. Wem oder was wir dabei treu sein wollen, sollen und überhaupt können, diese Frage lässt sich nicht in einem Gelübde versiegeln. Nicht bloß weil Gelübde brüchig sind, sondern auch deshalb, weil eine solche Fixierung der Form unserer Suche nach dem Ewigen vom Standpunkt des Absoluten aus widernatürlich ist. Deshalb sollten wir unsere weltlichen Versprechen halten so gut es geht und so lange es sinnvoll ist, sie aber immer wieder überprüfen vor dem, was noch viel größer ist.
Treue versus Flexibilität
Und das Große spielt wieder hinein ins Kleine: die Loyalität zu Freunden; die Disziplin, mit der eine Diät oder eine spirituelle Praxis durchgezogen wird; die Standfestigkeit, mit der wir bei einer einmal getroffenen Entscheidung bleiben. Alles das hat mit Treue zu tun. Und mit unserer Fähigkeit, den Wert ihres Gegenteils richtig einzuschätzen: Flexibilität. Wann soll ich standfest sein, wann flexibel? Im Alltag, und auch in der Politik: Konservative können nicht immer nur bewahren, sonst versteift alles; Progressive können nicht mit allem »fortschreiten«, sonst werden sie ihren Prinzipien untreu. Zu welchem weltanschaulichen Lager du dich auch gerade zählst: Für die einzelnen Entscheidungen braucht es Weisheit.
Das vermeintlich Andere
Die Lemniskate, die liegende Acht, die wir hier auf dem Titel abgebildet haben, symbolisiert das Schwingen zwischen den Polaritäten. Treue und Flexibilität ist ein solches Paar polar einander gegenüber stehender Gegensätze. Ebenso Stille und Bewegung. Bindung und Ungebundenheit. Wenn wir nur den einen Pol dieser Gegensätze für wahr, tief oder überhaupt beachtenswert halten, schwingen wir dort hinüber, und jemand anders (und meist parallel dazu unser Unbewusstes) stellt den Gegenpart dar. Oder wir selbst schwingen irgendwann von hier nach dort hinüber: von der Festigkeit zur Flexibilität, von der Bewegung wieder zum Stillstand, von der Treue zum Abenteuer, von der Erregung zur Entspannung, und so weiter. Ein tieferes Ruhen in uns selbst erreichen wir nur, wenn wir dieses Schwingen akzeptieren – oder, dass wir beides in uns haben.
Dann staunen wir auch nicht mehr so, wenn sich um uns Fronten bilden, von Menschen oder Konstellationen, die »ganz anders sind«. Sie sind nicht ganz anders. Sie bilden nur etwas ab, was wir in uns noch nicht erkannt haben. Sobald wir das vermeintlich Andere erkannt haben, schwingt es auch in uns.

Wolf Schneider, Jg. 1952, Studium der Lebenskunst seitdem. Hrsg. der Zeitschrift connection seit 1985. 2005 Gründung der »Schule der Kommunikation«. Kontakt: schneider@connection.de, Blog: www.schreibkunst.com.

 




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Radio-Interview mit Wolf Schneider:
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Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jahrgang 1952, studierte Naturwissenschaften und Philosophie in München. Schon während seines Studiums begab er sich auf Reisen. Die nächsten Jahre verbrachte er in Europa und Südasien, wo er ab 1976 als buddhistischer Mönch in Thailand lebte und von 1977-1990 Schüler von Osho war. Zurück in München gründete er 1985 die Zeitschrift connection, die noch heute als connection Spirit mit der Sonderheftreihe connection Special erscheint. Seinen 2005 gegründeten Verlag mit integrierter "Schule der Kommunikation" wandelte er Anfang 2008 erfolgreich in eine AG um. Im Connectionhaus veranstaltet er Jahrestrainings unter dem Motto: "Kreativität, Kommunikation und Inszenierung". Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zu kommunizieren, schenkte er uns ein wunderbares Theaterstück (Zauberkraft der Sprache) und zahlreiche Bücher, die uns Leser in eine spannende Welt der Spiritualität entführen. Sein neuestes Buch: "Das kleine Lexikon esoterischer Irrtümer" erscheint im August 2008 im Gütersloher Verlagshaus.



Zusätzliche Informationen:
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