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Zitat des Tages
Thomas von Kempen
Es ist leichter, ganz zu schweigen, als sich im Reden mäßigen.


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Mensch, werde wesentlich



Sind Frauen besser? Hoffnungen und Enttäuschungen auf dem Weg zu einer postpatriarchalen Welt (Teil 2 von 3)
Frauen und Esoterik
Ist Esoterik, sei sie nun latent oder offen gezeigt, die Art, wie die weibliche Hälfte der Weltbevölkerung religiös fühlt und sich ausdrückt? Manchmal scheint es mir so. Was die Ausnahmen nur umso bewundernswerter macht, die sich seit je und heute mehr denn je in aller Welt zeigen – leider oft noch in den Verstecken –, und die auch in dieser Ausgabe der Zeitschrift connection (5-6/21015) präsent sind, im Werden und sich Entfalten.
Frauen lieben Astrologie, Homöopathie und Naturheilmittel. Auf die Verpackungen der Kräutertees braucht der Hersteller nur das zu schreiben, wonach sich Frauen sehnen: Glück, Entspannung, Liebe, ein sonniges Gemüt, schon verkauft sich das Ding. Die Klientel der Überzeugungs-Heilweisen, die schulmedizinisch als »nur Placebo« diffamiert werden, obwohl sie ihren Nutzern doch Wohlgefühle vermitteln und eine geistige Heimat bieten, ist vor allem weiblich. Frauen lieben Typologien, d.h. sie lassen sich gerne und leicht suggerieren, wer sie sind, auch wenn wahrnehmungskritische Tests (Doppelblindstudien) keinen Anhaltspunkt dafür liefern. Du kannst jede Frau rumkriegen, sagen geübte Pick-up-Artists, wenn du ihnen nur überzeugend eine Geschichte zu erzählen weißt, warum gerade ihr beide euch jetzt getroffen habt, es hat nicht anders sein können, das Schicksal hat euch zusammengeführt. Oder glaubst du etwa an Zufälle? Nein, alles hat seinen Sinn. Wir alle sind einzigartig – wie schön, dass du das erkennst!
 
Frauen und Gefühle
Die meisten Frauen, zumal die spirituell bewegten Frauen, halten das Fühlen dem Denken generell überlegen. Die Fähigkeit, die Qualität des eigenen Fühlens kritisch zu hinterfragen, ist selten. Wenn ein Mann zu einer Frau sagt »Auch Gefühle können irren«, fühlt sie im typischen Fall, dass der Mann sie nicht versteht und nicht akzeptiert; daraufhin zieht sie sich zurück oder beschimpft ihn als unsensibel und unspirituell.
Was machen die Intuition, das Herz oder der Bauch, die wir bei so vielen Entscheidungen so gerne zu Rate ziehen, eigentlich genau? Ist es »weiblich«, dem einfach blind zu folgen? Ist es spirituell? Ich kann die Frauen nicht vergessen, die tränenüberströmt am Straßenrand standen, als ihnen das Glück widerfuhr, dass »der Führer« im offenen Cabrio vorbeifuhr. »Hast du seine Energie gespürt?«, würden sie im heutigen Jargon wohl sagen, und wenn wir Männer, die wir »noch im Kopf« sind, das nicht nachvollziehen können, dann sind wir herzlos.
Zugegeben, wir Männer können besser unsere Gefühle ignorieren als Frauen. Das ist eine große Gefahrenquelle, denn es führt zu Verdrängungen und zu Verlagerungen von Symptomen im familiären und sozialen System. Aber es hat auch Vorteile: Es befähigt uns, Projekte zielstrebig durchzuziehen, ohne uns von dabei aufkommenden Störgefühlen beirren zu lassen. Wir ziehen das Ding durch, bis dann endlich das Hochgefühl des Gelingens eintritt: Jubel!
 
Beziehungen
Frauen sind Beziehungswesen, und die ganze Welt ist ein Gewebe von Beziehungen. Das macht Frauen besser begabt für die Social Skills, die heute mehr gefragt sind als die Fähigkeiten eines Caveman. Und wie sehen dann unsere Zweierbeziehungen aus, wenn sie nicht mehr so patriarchal und sexrepressiv gelebt werden wie bisher, sondern befruchtet und geführt von der Weisheit der Frauen?
Sind wir dann treuer, oder freier, oder beides? Was unser heutiger Mainstream unter »freier Liebe« und »Promiskuität« versteht, ist jedenfalls ungefähr so irreal und entwürdigend wie die einstigen Berichte der Kirchen über die Sekten als verabscheute Randgruppen des kulturellen Mainstreams. Es sind die Fantasien der in den Klischees des Mainstream Gefangenen, die diese Begriffe gestalten; einer Wahrheitsfindung dienen sie nicht.
Als Beispiel für eine zu begrüßende Öffnung aus alten Mustern fällt mir das Ende des grandiosen Films »Das Salz der Erde« von Wim Wenders über den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado ein. Wenders zeigt hier nicht nur Salgados mitfühlenden Blick auf die geschundenen, gedemütigten und ausgebeuteten Menschen in unserem sterbenden Biotop Erde – mit einem faszinierenden Blick auf seine Schönheit, am Ende des Films –, sondern er zeigt auch die tiefe und in so vieler Hinsicht geglückte Paarbeziehung von Salgado mit seiner Frau Lélia Deluiz Wanick. Dann nennt er am Ende des Films einen am Amazonas lebenden Stamm, bei dem die Frauen und Männer ganz andere Beziehungen haben und damit glücklich sind: Da wählen sich die Frauen für ihre diversen Bedürfnisse verschiedene Männer aus; der für guten Sex muss dabei nicht derselbe sein, mit dem sie ihre Kinder aufziehen. Wim Wenders zeigt das nicht als vorbildlich, aber auch nicht abschätzig, sondern einfach als: Wow, so machen die das! Erstaunlich. Einen solchen Umgang mit den neuen Beziehungsformen, mit denen viele von uns experimentieren, wäre eine bessere Art des Journalismus als das abwertende Begaffen der Andersartigen.
 
Beschneidungen und der Jihad
Aber die Mütter, die ihre Töchter zu anderen Frauen schicken, um sie genital beschneiden zu lassen, haben wir in verschiedenen Connection-Heften immer wieder berichtet. Es sind weiterhin jedes Jahr viele Millionen von Mädchen, die auf diese Weise verstümmelt werden, und die Täterinnen sind überwiegend Frauen. Auch die geistigen Vertreterinnen der Fortsetzung dieser Praxis sind überwiegend Frauen.
Ähnlich schlimm finde ich es, wenn Frauen in der eigenen Familie Ehrenmorde gutheißen oder ihre Männer sogar dazu anstacheln, der Familienehre zuliebe. Oder Frauen, die martialische Kämpfer bewundern, die imstande sind, in brutaler Weise Gegner abzuschlachten, so wie etwa die Frauen, die zur Zeit nach Syrien ziehen, in den Jihad. Was ist das für eine Weiblichkeit, die sie dort hinzieht? Oder, anders betrachtet: Wohin verdrücken sie ihre Weiblichkeit, ihr Mitgefühl für die Wesen, die nicht korangläubig sind oder nicht der Koran-Interpretation des IS zustimmen?

Wolf Schneider, Jg. 1952. Autor, Redakteur, Kursleiter. Studium der Naturwissenschaften und Philosophie (1971–75) in München. 1975-77 in Asien. 1985 Gründung der Zetischrift connection. Seit 2007 Theaterspiel und Kabarett. Kontakt: schneider@connection.de
 
 




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Radio-Interview mit Wolf Schneider:
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Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jahrgang 1952, studierte Naturwissenschaften und Philosophie in München. Schon während seines Studiums begab er sich auf Reisen. Die nächsten Jahre verbrachte er in Europa und Südasien, wo er ab 1976 als buddhistischer Mönch in Thailand lebte und von 1977-1990 Schüler von Osho war. Zurück in München gründete er 1985 die Zeitschrift connection, die noch heute als connection Spirit mit der Sonderheftreihe connection Special erscheint. Seinen 2005 gegründeten Verlag mit integrierter "Schule der Kommunikation" wandelte er Anfang 2008 erfolgreich in eine AG um. Im Connectionhaus veranstaltet er Jahrestrainings unter dem Motto: "Kreativität, Kommunikation und Inszenierung". Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zu kommunizieren, schenkte er uns ein wunderbares Theaterstück (Zauberkraft der Sprache) und zahlreiche Bücher, die uns Leser in eine spannende Welt der Spiritualität entführen. Sein neuestes Buch: "Das kleine Lexikon esoterischer Irrtümer" erscheint im August 2008 im Gütersloher Verlagshaus.



Zusätzliche Informationen:
» www.wolf-schneider.info

Weitere Texte von W. Schneider:
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