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bernd
jesus

wenn man nichts will, bekommt man alles .
wer redet weiß nicht. wer weiß redet nicht..
einfach sein oder einfach-sein.
sag niemand die wahrheit wenn er dich nicht darum bittet..
die höchste form der liebe kann nicht besitzen.
bei delhinen gibt es nur eine verbindung die zwischen mutter und kind, alles andere ist spielerisch.





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Mensch, werde wesentlich



Die Spirituelle Revolution Teil 2
Lachen und Aufwachen
Das Aufwachen aus solch erziehungsbedingter Trance ist von Mensch zu Mensch verschieden. Vielleicht ist es mit dem Lachen zu vergleichen, dieser rhythmischen Zwerchfellerschütterung, dessen Auslöser ja auch sehr vielfältig und mysteriös sein können. Das Lachen kann ein Glucksen sein, ein Giggeln, vielleicht ist es auch nur ein in sich hinein Lächeln oder Schmunzeln, dann wieder ein lautes, schallendes Gelächter, ein Platzen vor lachen und sich schier totlachen, sich nicht halten können vor lachen.
Auch das Lachen kommt oft unerwartet, und seine Ursache ist eine Überraschung. Die Pointe, die bei einem Witz das Lachen auslöst, gibt der erzählten Geschichte eine unerwartete Wende, und wenn die damit verabreichte Ent-täuschung der Erwartung groß genug ist, kann auch hier das Vorher und Nachher sehr verschieden sein. Es gibt große und kleine Satoris, so wie es großes und kleines Gelächter gibt, große und kleine Orgasmen, und alle diese Ekstasen sind kopflos erschütternd und in den stärkeren Fällen irreversibel, dass heißt: Nichts ist danach mehr so ganz wie vorher – zumindest erscheint es zunächst so. Aber das Alte ist mächtig; auch so manche politische Restauration hat es geschafft, das Ergebnis einer Revolution fast zu annullieren.
 
Mehr oder weniger erleuchtet
Gautama Buddha, der vor gut 2.500 Jahren in Nordindien lebte, hat das Erwachen als das Ende des Leidens bezeichnet. Viele derer, die sich heute als erwacht bezeichnen, leiden aber – noch. Heißt das, sie sind noch nicht wirklich erwacht? Haben sie vielleicht nur einen Vorgeschmack auf das große Erwachen bekommen, einen gewissen Einblick erfahren, aber noch nicht die ganze Wahrheit? Wilbers Modell der verschiedenen Linien, auf denen ein Mensch mehr oder weniger entwickelt, mehr oder weniger erwacht sein kann, wie Torsten Brügge es in der connection 05/06/2013 auf den Seiten 38-41 darlegt, bietet ein viel differenzierteres Bild vom Erwachen als die platte These von Entweder-du-hast-es-oder-du-hast-es-nicht. Ein bisschen schwanger, das gibt's nicht – ein bisschen erleuchtet, das schon.


Das blaue Blut der Erleuchtung
Wenn in der deutschen Satsangszene vom Erwachen die Rede ist, kommt mir das oft so vor wie das Erschaffen eines Bedarfs, der vorher, ohne diese Rede vom Erwachen, noch gar nicht da ist. Vor allem Frauen suchen eher Liebe, Glück, Gesundheit, Schönheit und schmerzfreies Wohlbefinden: »Erleuchtung? – kein Interesse, das musst du woanders verkaufen!«
Wenn du noch nicht weißt, dass es das gibt, sehnst du dich auch nicht danach und vermisst nichts. Kommt jedoch ein spiritueller Lehrer daher und erzählt dir, dass es da etwas gibt, das du noch nicht hast, etwas Großartiges, das unermesslich begehrenswert ist, willst du es natürlich auch haben. Dann wirst du sein Schüler, und der Guru hat was zu tun, sein Leben hat Sinn, und er hat sich mit dir als einer seiner Schülerinnen vielleicht auch noch eine ökonomische Basis geschaffen.
So entsteht erneut eine zweigeteilte Gesellschaft. Einst war sie geteilt in Adlige und Bürgerliche, bald (in der spirituellen Szene schon heute) wird sie erneut geteilt sein in zwei Klassen, diesmal in die Erwachten und die nicht Erwachten. Die einen haben es, das blaue Blut der Erleuchtung, die anderen nicht.
In ein paar Jahren wird Ken Wilbers differenzierte Darstellung der Entwicklungslinien allerdings Allgemeingut sein, vermute ich, so ähnlich wie heute Freuds Theorie des Bewussten und des Unbewussten, die ja nicht nur unter Psychologen, sondern ganz allgemein Standard ist – im vorfreud'schen 19. Jhd. war das noch keineswegs der Fall.
 
Die Einbildung »Ich hab's!«
Vor ein paar Jahren gab ich Jahrestrainings, die aus elf Kursen bestanden, vom Visionquest bis zum Abschlusstheater. Einer dieser Kurse war eine verkürzte Form des aus Kalifornien stammenden »Enlightenment Intensive« – ein Begriff, der natürlich Erwartungen weckt. So wurde dann dort auch fleißig meditiert und sich gegenseitig Fragen gestellt: »Wer bist du? Sage mir, wer du bist!« Der Kurs war noch nicht mal halb rum, da gab es schon zwei, die mir signalisierten »Ich hab's!«. Sie saßen einfach nur da, strahlten in alle Richtungen und sagten nichts mehr oder nur noch Unsinn.
Was sollte ich tun? Ich war hier schließlich der Kursleiter. Sollte ich sie nun aus der Struktur herausholen, sie so gewissermaßen vor den anderen adeln als diejenigen, die es geschafft hatten und diese doch nun wirklich ziemlich blöde Übung nicht mehr machen mussten? Ich zögerte. Ich schickte sie dann, so gut es ging, in die Struktur zurück mit den Worten: »Mach es spielerisch!« und ins Ohr flüsterte ich ihnen sowas Ähnliches wie: »Du weißt ja jetzt, dass du frei bist!«
Der Hauptgrund sie nicht zu »adeln« war die von mir befürchtete soziale Wirkung. Es hätte der Gruppe nicht gut getan, zwei so herauszuheben, und ihnen selbst wahrscheinlich auch nicht. Als erwacht zu gelten, damit muss man auch umgehen können. Solch eine »Einbildung« kann die eigene Entwicklung blockieren, denn nun denkst du »Ich hab's!« und glaubst vielleicht, dich nun nicht mehr entwickeln zu müssen, was dich unter Umständen zu einem sozialen Kotzbrocken machen kann. Als mich der Erleuchtungswahn zum ersten Mal ereilte, war ich 22 Jahre alt, buddhistischer Mönch im Theravada-Training und somit den 227 Regeln der Bhikkus unterworfen. Eine dieser Regeln sagt, dass du die Stufe, die du auf dem spirituellen Weg erreicht hast (oder erreicht zu haben glaubst), nur deinen Mitmönchen mitteilen darfst, niemand anderem. Durchaus ein kluger Rat, das finde ich auch heute noch.
 




Weitere Kolumnen von: Wolf Schneider


   



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Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jahrgang 1952, studierte Naturwissenschaften und Philosophie in München. Schon während seines Studiums begab er sich auf Reisen. Die nächsten Jahre verbrachte er in Europa und Südasien, wo er ab 1976 als buddhistischer Mönch in Thailand lebte und von 1977-1990 Schüler von Osho war. Zurück in München gründete er 1985 die Zeitschrift connection, die noch heute als connection Spirit mit der Sonderheftreihe connection Special erscheint. Seinen 2005 gegründeten Verlag mit integrierter "Schule der Kommunikation" wandelte er Anfang 2008 erfolgreich in eine AG um. Im Connectionhaus veranstaltet er Jahrestrainings unter dem Motto: "Kreativität, Kommunikation und Inszenierung". Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zu kommunizieren, schenkte er uns ein wunderbares Theaterstück (Zauberkraft der Sprache) und zahlreiche Bücher, die uns Leser in eine spannende Welt der Spiritualität entführen. Sein neuestes Buch: "Das kleine Lexikon esoterischer Irrtümer" erscheint im August 2008 im Gütersloher Verlagshaus.



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