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Zitat des Tages
Epiktet
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen darüber machen uns glücklich oder unglücklich.


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Mensch, werde wesentlich



Sind Frauen besser? Hoffnungen und Enttäuschungen auf dem Weg zu einer postpatriarchalen Welt (3. und letzter Teil)
»Was ich fühle, ist wahr«
Ich möchte hier nochmal ein paar der Fallen aufzählen, in die spirituell bewegte Frauen meiner Beobachtung nach heutzutage gerne hineintappen. Nicht um die Frauen lächerlich zu machen, sondern um die Fallen deutlicher und leichter vermeidbar zu machen, überzeichne ich sie hier ein bisschen.
• Meine Gefühle sind wahrer als deine Gedanken.
• Was ich fühle, ist wahr. Wenn du das nicht auch fühlst, was ich fühle, bist du unsensibel, (also auch unspirituell, denn nur sensible Menschen sind spirituell). Wenn du meine Gefühle nicht für wahr hältst, hast du keine Wertschätzung für mich.
• Weiblich sein, heißt anerkennen, was ist. Das ist die wahre Mystik. Das Mystische ist weiblich und das Weibliche mystisch.
• Frauen sind weniger egoistisch als Männer. Sie leben das Wir, die Verbundenheit.
• Frauen erliegen nicht so leicht dem Glauben an eine objektiv vorhandene Welt. Sie wissen, dass das Subjektive die Welt retten wird, während die Männer noch »im Außen« nach einer Lösung suchen.
Vielen Frauen fällt es schwer, zwischen einem »Dass ich dies jetzt fühle, ist wahr« und einem »Was ich fühle, ist wahr« zu unterscheiden. Es können uns jedoch nicht nur unsere Augen, Ohren und Gedanken täuschen, sondern auch die Gefühle. Weise Menschen wissen das, Frauen wie Männer.
 
Die Neigung zum Prärationalen
Warum ist die esoterische Zielgruppe so sehr von Frauen dominiert? Finden Frauen eher als Männer Gefallen an einem Bad in prärationaler Gefühligkeit? Die Leserinnen der esoterischen Bücher und Zeitschriften jedenfalls sind mehrheitlich Frauen; die Autoren, Vortragenden und Seminarleiter hingegen sind eher Männer.
Mein Fazit, nach 30 Jahren der beruflichen Vollzeitbeschäftigung mit dieser Zielgruppe: Der Großteil der auf den Märkten sichtbaren weiblichen Spiritualität ist prärational und lehnt den Kopf, Mind, Verstand ab. Prärational wird mit transrational verwechselt. Das Lineare gilt gegenüber dem Zyklischen als weniger wertvoll oder sogar als störend, ebenso das Horizontale als flach und männlich, gegenüber dem Vertikalen der ewigen Gegenwart, das der weiblichen Intuition zugeordnet wird.
Als Beispiel für eine solche Prärationalität greife ich hier mal den Begriff eines »Erwachens zu einer neuen Weiblichkeit« heraus. Echtes Erwachen ist einfach ein Aufwachen, ein Wegfallen von Illusionen, man erwacht nicht »zu« einer erwünschten Weltanschauung, so sehr eine neue, weiblichere Weltanschauung auch erwünscht sein mag. Wer »zu« etwas erwacht, legt sich damit ein neues Bewusstsein im Sinne der englischen consciousness zu. Awareness, Wachheit ist etwas anderes.
Neulich beharrte eine Frau, die ich in ihrer Weiblichkeit und Feinfühligkeit sehr schätze, darauf, dass mein Betonen dieser Unterscheidung das eigentlich Trennende sei. In meinen Augen vermanschte sie die Ebenen, Fakt und Fiktion, die erfühlten und die erfahrenen Welten, das Prä- und das Transrationale. In ihren Augen (sie würde wohl sagen: nach ihrem Empfinden) war mein Bedürfnis nach Unter-Scheidung ein Bedüfnis nach Scheidung: Ich würde alles analysieren, sagte sie, und es dadurch partikularisieren und würde so auch sie und mich voneinander trennen, was typisch männlich sei. Sie, als herzbegabte Frau, hingegen würde das Weltganze erfühlen: Traum und sogenannte Realität, Diesseits und Jenseits, die Anderswelten und die sogenannten Fakten seien alles eins, wäre da nicht mein Verstand, der das Bedürfnis hätte, das alles säuberlich voneinander zu unterscheiden, also zu trennen.
 
Buddha und Yasodhara
In der Nacht, als ihm ein Sohn geboren wurde, sattelte Prinz Siddharta sein Pferd und verschwand für sechs lange Jahre. Er verließ seine Familie, um sich auf die Suche zu machen nach dem, was das Leiden überschreitet. Der Gründer der vielleicht größten spirituellen Lehre, die unsere von so vielen geistigen Unkulturen zerrissene Welt je gesehen hat, ist dieser Buddha damals vor seiner Frau geflohen? War er wirklich so feige, so kleinmütig, dass er glaubte, den Anhaftungen an seine eigene Familie nicht widerstehen zu können? Oder hat er in ehrenwerter, zu bewundernder Weise damit den ersten Schritt zur Kreation der größten philosophischen Lehre der Menschheit gemacht?
Am 9. Mai in der indischen Botschaft Berlin möchte ich mir das Theaterstück ansehen, das ein Freund von mir, der Philosoph, Humorist und Connection-Autor Harald-Alexander Korp, zu diesem Thema geschrieben hat. Wäre ja vielleicht mal an der Zeit, dieses alte Paradigma zu kippen, dass ein Mann seine Familie und Beziehung, sein Haushälterdasein verlassen müsse, um »spirituell zu werden«. Vielleicht sind wir jetzt endlich so weit, diesem neuen Paradigma Raum geben zu können: Auch inmitten all unserer Beziehungen und sozialen Verpflichtungen können wir die ultimate Erkenntnis finden! Hier vielleicht sogar noch besser.
Wolf Schneider, Jg. 1952. Autor, Redakteur, Kursleiter. Studium der Naturwissenschaften und Philosophie (1971–75) in München. 1975-77 in Asien. 1985 Gründung der Zetischrift connection. Seit 2007 Theaterspiel und Kabarett. Kontakt: schneider@connection.de
 
 




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Radio-Interview mit Wolf Schneider:
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Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jahrgang 1952, studierte Naturwissenschaften und Philosophie in München. Schon während seines Studiums begab er sich auf Reisen. Die nächsten Jahre verbrachte er in Europa und Südasien, wo er ab 1976 als buddhistischer Mönch in Thailand lebte und von 1977-1990 Schüler von Osho war. Zurück in München gründete er 1985 die Zeitschrift connection, die noch heute als connection Spirit mit der Sonderheftreihe connection Special erscheint. Seinen 2005 gegründeten Verlag mit integrierter "Schule der Kommunikation" wandelte er Anfang 2008 erfolgreich in eine AG um. Im Connectionhaus veranstaltet er Jahrestrainings unter dem Motto: "Kreativität, Kommunikation und Inszenierung". Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zu kommunizieren, schenkte er uns ein wunderbares Theaterstück (Zauberkraft der Sprache) und zahlreiche Bücher, die uns Leser in eine spannende Welt der Spiritualität entführen. Sein neuestes Buch: "Das kleine Lexikon esoterischer Irrtümer" erscheint im August 2008 im Gütersloher Verlagshaus.



Zusätzliche Informationen:
» www.wolf-schneider.info

Weitere Texte von W. Schneider:
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