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Zitat des Tages
Friedrich Bodenstedt
Geh mit dir selbst streng ins Gericht, und will's dir nicht gelingen, von innen die Ruh, das Glück dir zu erringen: Von außen kommt das Glück dir nicht!


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Mensch, werde wesentlich



Sind Frauen besser? Hoffnungen und Enttäuschungen auf dem Weg zu einer postpatriarchalen Welt (Teil 1 von 3)

In Asien empfinden sich auch heute noch Millionen von Frauen als in diesem Leben spirituell zutiefst benachteiligt und wünschen sich eine Wiedergeburt als Mann. Kippt dieser Glaube nun in sein Gegenteil? In den spirituellen Kreisen des Westens gilt es heutzutage als günstiger, in einem weiblichen Körper zu wohnen, um Herzlichkeit, Spiritualität, Weisheit oder gar Erleuchtung zu erlangen. Ist das ein Schritt in die richtige Richtung?
Als vor sechs Jahren zum ersten Mal ein Farbiger ins Weiße Haus einzog, dachten viele von uns, jetzt wird alles besser. Nun sind die Chancen gut, dass in zwei Jahren eine Frau dieses Amt übernimmt. Wird dann alles besser? Auch ich habe an Obama geglaubt. Aber er hat keine merklich bessere Politik durchgesetzt als seine Vorgänger. Das wird auch Hillary Clinton nicht tun. Kann sie es nicht, oder will sie es nicht? Ich kann nicht in ihr Inneres blicken, aber ich bin skeptisch, was die Freiheiten eines einzelnen in einem so vielfach verwobenen System anbelangt.
Das System formt uns
Das System formt die Menschen, die in ihm an die Schaltstellen der Macht gelangen. Wenn sie dort angelangt sind, werden sie, sofern sie Produkte des Systems sind, es nicht ändern. Gorbatschow und Mandela waren in der Hinsicht Ausnahmen. Aung San Suu Kyi ist in Myanmar (Burma) zwar gewählt worden, aber nicht an die Macht gelangt. Ist sie zu weiblich, um sich im burmesischen System durchzusetzen? Würden in den USA Hillary und Aung San Suu Kyi für das Präsidentenamt kandidieren, ich wette, dass Hillary gewinnen würde. Wir haben eben in hohem Maße die Politiker, die wir verdienen. Das System reproduziert sich selbst, und darin formt es solche Frauen wie Margaret Thatcher und Hillary Clinton, die in mir keinen Jubel auslösen, was »Frauen an der Macht« anbelangt. Das System formt uns, und wir Mitläufer formen es mit. Spielräume für bedeutsame Veränderungen gibt es darin kaum.
Dennoch glaube ich, dass Frauen, die ihre Seelen und Körper nicht an das herrschende Wirtschafts- und Gesellschaftssystem verkauft haben, und die sich auch nicht von den Religionen des Patriarchats (alle traditionellen Religionen sind patriarchal) haben einfangen lassen, in Politik und Wirtschaft die besseren Regenten wären. Aber solche souveränen Individuen sind selten, unter Frauen ebenso wie unter Männern. Wie soll man auch in einem System, das uns mal in eisenern, mal in goldenen Käfigen gefangen hält und Süchte als Befreiungswege verkauft, zu einer solchen Unbestechlichkeit gelangen können?
Spiritualität ohne Priester
Hillary Clinton wird so wenig Weiblichkeit in die Welt bringen, wie das Angela Merkel und Ursula von der Leyen tun. Und wie ist es im spirituellen und religiösen Bereich mit Frauen »an der Macht« oder in Führung? Dort brauchen wir keine Führung im üblichen Sinn. Wer überzeugen kann, soll hörbar, sichtbar, lesbar sein, hierarchische Strukturen brauchen wir dort allenfalls für praktisch zu Organisierendes. Die Absurdität eines klerikal oder priesterlich autorisierten Zugangs zum Heiligen muss endlich aufhören. Ja, es gibt Einweihungen! Das kann eine Liebesnacht sein, ein Visionquest oder eine Heldentat der Selbstüberwindung. Solch ein Überschreiten einer Schwelle kann man »spirituell« nennen oder magisch oder, schlichter: identitätsverändernd. Aber dazu brauchen wir keine Priester, auch keine weiblichen.
Frauen sind von Natur aus weniger kriegerisch als Männer, das glaube ich noch immer, trotz Thatchers Falklandkrieg. Aber die Frauen, die im Patriarchat an die Macht gekommen sind, können schlimmere Krieger sein als die Männer. Condoleezza Rice, eine Frau und Farbige, erwies sich in der US-Politik als kriegslüsterner Falke. Es genügt eben nicht, zwei X-Chromosomen zu haben, um sich vor uns Männern als überlegen auszuweisen und sich in der Politik als liebevoll, versöhnlich, nährend und empathisch zu zeigen.
Das Herz
Frauen handeln von ihrem Herz aus, wir Männer vom Kopf. Frauen denken zyklisch, wir Männer linear. Frauen ruhen in dem, was ist, wir Männer steuern Ziele an. Diese Liste der Spiri-Klischees ließe sich noch verlängern. Doch zunächst mal zum Herz, einem Schlüsselbegriff für die Romantisierung des Weiblichen. Es wird in der Spiri-Szene, zunehmend auch in der Mainstream-Werbung für Produkte aller Art (ich komme übrigens aus München, der »Weltstadt mit Herz«) verwendet. Das Herz, dieses Vademecum der neuen Seicht-Spiritualität, für was muss es nicht alles herhalten!
Herz, Energie und das Spüren von allem und jedem machen es für einen Satiriker leicht, das Kitschuniversum der neuen Weiblichkeit aufzuspannen. Dass der Spott hierüber ein Heimspiel ist, heißt noch nicht, dass die Spötter recht hätten. Die Breitseite jedoch, die dieser Kitsch den Satirikern gibt, winkt uns mit dem Zaunpfahl zu, dass hier Muster sich wiederholen. Sich wiederholende Muster sind Zeichen von Kopistentum, einem Mangel an Originalität und Authentizität. Wer die richtigen Begriffe pflegt, wird in dieses neue Kitschuniversum der Weiblichkeit, Spiritualität und des Herzens aufgenommen; wer nicht, fliegt raus. Die Therapie-, Yoga- und Ernährungsmoden kommen und gehen auch heuer wieder wie die Farben der Frühjahrsmoden, und wer dafür sensibel genug ist, schön weiblich fühlt und nicht zu sehr im Kopf ist, schwingt mit.

Wolf Schneider, Jg. 1952. Autor, Redakteur, Kursleiter. Studium der Naturwissenschaften und Philosophie (1971–75) in München. 1975-77 in Asien. 1985 Gründung der Zetischrift connection. Seit 2007 Theaterspiel und Kabarett. Kontakt: schneider@connection.de
 
 



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Radio-Interview mit Wolf Schneider:
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Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jahrgang 1952, studierte Naturwissenschaften und Philosophie in München. Schon während seines Studiums begab er sich auf Reisen. Die nächsten Jahre verbrachte er in Europa und Südasien, wo er ab 1976 als buddhistischer Mönch in Thailand lebte und von 1977-1990 Schüler von Osho war. Zurück in München gründete er 1985 die Zeitschrift connection, die noch heute als connection Spirit mit der Sonderheftreihe connection Special erscheint. Seinen 2005 gegründeten Verlag mit integrierter "Schule der Kommunikation" wandelte er Anfang 2008 erfolgreich in eine AG um. Im Connectionhaus veranstaltet er Jahrestrainings unter dem Motto: "Kreativität, Kommunikation und Inszenierung". Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zu kommunizieren, schenkte er uns ein wunderbares Theaterstück (Zauberkraft der Sprache) und zahlreiche Bücher, die uns Leser in eine spannende Welt der Spiritualität entführen. Sein neuestes Buch: "Das kleine Lexikon esoterischer Irrtümer" erscheint im August 2008 im Gütersloher Verlagshaus.



Zusätzliche Informationen:
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