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Zitat des Tages
Bernhard de Bovier
Immer vorwärts, nie zurück, frischer Mut bringt neues Glück. Ich wünsche dir ein frohes Leben, Gesundheit und das rechte Streben nach allem Schönen auf der Welt. Ich denk, dass dir mein Spruch gefällt.


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Mensch, werde wesentlich



Dankbarkeit
Auch die so viel gefeierte Dankbarkeit ist, wie so vieles, eine tückische Angelegenheit. Wenn wir sie auf eine platte Weise missverstehen, sind wir damit schlechter dran als wenn wir nie diesem Anspruch begegnet wären: dankbar zu sein für das, was das Leben uns schenkt. "Sag artig danke!", das haben die meisten von uns von unseren Eltern gehört, wenn wir etwas geschenkt bekamen, auch dann, wenn das Geschenk uns nicht gefiel und wir eigentlich etwas anderes haben wollten. Aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, den nimmt man so hin. Sollten wir unserem Leben, wenn es uns mit Unglücksfällen und Schicksalsschlägen beschenkt, ebenso wenig ins Maul schauen, wie damals den Geschenken der Tanten und Onkel?
Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht trennen, damit verteidigen Katholiken die Unkündbarkeit einer Ehe, und wenn Gott (auch verkleidet als ein Vergewaltiger) eine Frau geschwängert hat, dann darf man nicht abtreiben. Aber wer oder was ist Gott in diesem Falle – und überhaupt? Wogegen dürfen wir uns auflehnen ohne blasphemisch zu werden, ohne zu sündigen (übersetzt: uns abzusondern), und dann aus dem inneren Frieden hinausgeworfen zu werden, verbannt ins Exil der Verzweiflung?
Hatte Hiob schlechtes Karma?
Auch mich, der ich seit mehr als vierzig Jahren nicht mehr an einen persönlichen Gott glaube, hat die Geschichte von Hiob aus dem alten Testament seit je stark berührt, und ebenso die vielen Fälle von Menschen, die ein ethisch vorbildliches Leben führten, sich gesund ernährten, ihre Umwelt liebevoll behandelten und dann doch plötzlich, mitten im Leben, von einer tödlichen Krankheit "heimgesucht" – was für ein Wort! – wurden. Schlechtes Karma? Ist fast immer nur eine schlechte Ausrede. Manche erwischt's eben, andere nicht, und nicht alles kann man mit früheren Taten "von sich selbst" (Wer ist denn das?) oder einer Vorgängerseele erklären. Was tust du, wenn dein Kind stirbt oder dein Partner "viel zu jung aus dem Leben gerissen" wird, wie dann tröstend die Leute sagen? Und was, wenn du selbst eine tödliche Diagnose erhältst, die Schulmedizin dich aufgibt und nur noch palliativ behandelt? Kannst du auch dann noch dankbar sein für das, was das Leben dir geschenkt hat?
Herausforderungen
Zu Anfang ist es einfach. Da ist es besser, dein Glas, welches das Leben dir eingeschenkt hat als halbvoll zu betrachten und nicht als halbleer. Und wann immer du die Wahl hast zwischen zwei Optionen, dann wähle das Schönere, Nützlichere, Bessere, Beglückendere aus, anstatt die andere Wange hinzuhalten, wenn jemand dich auf die eine schlägt. Was aber, wenn beide Optionen schlimme sind und das Unglück unvermeidlich zu sein scheint? Das ist dann wohl das Training für Fortgeschrittene. Alles Schlechte hat sein Gutes, sagt man sich dann oder versucht, die darin versteckte Lernerfahrung tröstend vorwegzunehmen und nennt es tapfer "eine Herausforderung". Für Amerikaner gibt es ja keine Probleme mehr, nur noch challenges, das ist dann sowas wie "ein Indianer kennt keinen Schmerz", nun aber für die modernen Stadtindianer der neoliberalen, globalisierten Welt, und es ist nicht mehr der körperliche Schmerz gemeint, den können wir ja palliativ behandeln.
Glück gehabt? Oder Pech?
Es gibt Menschen, deren Lebensmut unbezwingbar scheint. Vielleicht die größte unter solchen Helden, die ich je traf, ist die Auschwitz-Überlebende Eva Mozes Kor. Ich habe sie in einem Vortrag über die Experimente sprechen hören, die Dr. Mengele und seine Ärzte mit ihr und ihrer Zwillingsschwester anstellten, als die beiden zehn oder elf Jahre alt waren. Sie hatte nur überleben können, weil sie ihrer Schwester zuliebe sich von diesen Ärzten nicht besiegen lassen wollte, erzählte sie – und verzieh ihnen, als sie 50 Jahre alt war. Es rührt mich zu Tränen der Hochachtung, wenn ich sowas höre, und dann schäme ich mich meiner Kleinlichkeit: Wie oft habe ich Menschen vermeintliche Untaten übel genommen und mich damit meistens selbst mehr belastet als die so verurteilten Menschen, die davon vielleicht gar nichts wussten. Wenn jemand wie Eva Mozes Kor verzeihen kann, warum kann ich es dann nicht? Warum können wir nicht dankbar sein für ein Leben, das für die meisten von uns doch so viel leichter ist als das von Menschen wie Eva Mozes Kor – oder etwa Nelson Mandela, der für seine Vision 27 Jahre im Gefängnis saß?
Freude an Kleinigkeiten
Wer es schwer hat im Leben und wer leicht, ist jedoch nicht so leicht zu beantworten. Oft täuscht die Oberfläche. Jedenfalls sind Menschen, die Folter überlebt haben, schwere Krankheiten oder extreme soziale Ausgrenzung und die dennoch ihren Lebensmut nicht verloren haben, ihre Freude an Kleinigkeiten und ihre Liebe zu den Mitmenschen für mich Helden und Vorbilder. Meine eigenen Probleme erscheinen mir dann als so viel kleiner, und es fällt mir leichter, mich über einen sonnigen Tag zu freuen, an dem ein grün schillernder Käfer einen Grashalm hochkrabbelt. Oder über meine Gesundheit, auch wenn ein Teil von mir krank zu sein scheint, der gesunde Teil von mir ist doch immer noch der größere.
Geld und das Unbezahlbare
Und was den Umgang mit Geld anbelangt, das doch immer wieder nicht genug zu sein scheint für so vieles, das wir uns wünschen oder anderen Menschen geben wollen: Jeder Atemzug ist geschenkt. Das Trinkwasser ist zwar schon längst nicht mehr kostenlos, wenn ich nicht gerade an einem Bergbach meinen Durst stille, aber noch kann ich Waldspaziergänge machen ohne dafür Eintritt zu bezahlen, und es gibt immer noch Stellen (sie werden immer seltener), wo ich mein Auto abstellen kann, ohne Parkgebühr bezahlen zu müssen. Immer mehr der ganz normalen täglichen Vorgänge werden mit Geld bewertet (Monetarisierung nennt man das) und müssen bezahlt werden, weil unsere Wirtschaft wachstumssüchtig ist und ohne andauerndes Wachstum in sich zusammenbrechen würde. Dagegen braucht es ein politisches Engagement, das durchaus von Wut gespeist sein darf, aber auch das: die Freude an dem, was noch nicht bezahlt werden muss. Die Dankbarkeit für ein Lächeln, das einem geschenkt wird, für das Zwitschern der Vögel und den Anblick des Herbstlaubs der Bäume, für den wir vielleicht noch ein paar Jahre lang keine Münzen einwerfen müssen für jede zehn Minuten Blick auf diese Schönheit.
Strahlend sein
Wir dürfen und sollten politisch kämpfen für eine bessere Welt und dürfen –fast: müssen – dabei uns freuen an dem, was jetzt schon – oder jetzt noch – da ist an Schönheit und geschenktem Glück. Wütend zu sein über das Schlechte in der Welt, sich darüber empören und dagegen auflehnen ist gut vereinbar, geradezu notwendig verbunden mit der Freude über das, was gut ist. Jeden Tag, jede Minute, auch im Leben derer, die Pech gehabt zu haben scheinen, gibt es Grund für Freude und Dankbarkeit. Das zu erkennen ist Lebenskunst, denn es macht glücklich – den Dankbaren selbst und allen, die von solcher Dankbarkeit bestrahlt werden.
Wolf Schneider, Jg. 1952. Autor, Redakteur, Kursleiter. Studium der Naturwiss. und Philosophie (1971-75) in München. 1975-77 in Asien. Seit 1985 Hrsg. der Zeitschrift connection. Seit 2008 Theaterspiel & Kabarett. Kontakt: schneider@connection.de, www.connection.de.
 




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Radio-Interview mit Wolf Schneider:
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Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jahrgang 1952, studierte Naturwissenschaften und Philosophie in München. Schon während seines Studiums begab er sich auf Reisen. Die nächsten Jahre verbrachte er in Europa und Südasien, wo er ab 1976 als buddhistischer Mönch in Thailand lebte und von 1977-1990 Schüler von Osho war. Zurück in München gründete er 1985 die Zeitschrift connection, die noch heute als connection Spirit mit der Sonderheftreihe connection Special erscheint. Seinen 2005 gegründeten Verlag mit integrierter "Schule der Kommunikation" wandelte er Anfang 2008 erfolgreich in eine AG um. Im Connectionhaus veranstaltet er Jahrestrainings unter dem Motto: "Kreativität, Kommunikation und Inszenierung". Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zu kommunizieren, schenkte er uns ein wunderbares Theaterstück (Zauberkraft der Sprache) und zahlreiche Bücher, die uns Leser in eine spannende Welt der Spiritualität entführen. Sein neuestes Buch: "Das kleine Lexikon esoterischer Irrtümer" erscheint im August 2008 im Gütersloher Verlagshaus.



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