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Nichts ist wirklich existent außer dem Wunder der Liebe, das wir schon fühlten, noch bevor wir von unserer Mutter wussten


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Mensch, werde wesentlich



Was können wir tun? Der kleine Einzelne und das große Ganze (Teil 2)
 

Die Autarca-Gemeinschaft
Anfang Januar habe ich hier auf La Palma die Autarca-Gemeinschaft besucht. Dort leben sechs Menschen von zusammen 450 € pro Monat auf einem Stück Land, das sie gerade auf zweieinhalb Hektar vergrößert haben. Den älteren Teil haben sie vor sechs Jahren begonnen nach den Prinzipien der Permakultur zu renaturieren, der neuere Teil ist noch fast in dem desolaten Zustand wie große Teile der Höhenlagen der Insel (die niederen Lagen werden für die Bananenwirtschaft monokulturell genutzt), deren Böden nach den Prinzipien der bisherigen Landwirtschaft rücksichtslos ausgebeutet und dann brach liegen gelassen wurden; die einstigen Bewohner sind in die Städte abgewandert und tragen dort zur Arbeitslosigkeit bei. Die Autarca-Leute ziehen ihr eigenes Gemüse, recyceln ihr Brauchwasser, Kochhitze und Warmwasser kommen von der Sonne. Zwei Kompostklos geben nach dem Terra Preta Prinzip beste Schwarzerde – ein Mensch kann so mit seinen Fäkalien Erde produzieren, die für die Ernährung von zwei Menschen ausreicht. Die Gemeinschaft hat also keine Abwässer und auch sonst fast keine Abfälle. Falls die Sonne mal tagelang nicht scheinen sollte, heißt das nicht, dass man nicht kochen kann oder elektrisch kochen müsste, denn inzwischen hat Autarca eine Methangasanlage nach einem indischen Prinzip. Die wird mit Gemüseabfällen gefüttert und produziert Gas für den Herd.
Lokal und global
Die Methangasanlage, die Sonnenkochkisten und -backöfen, alles kann man sich mit Materialien, die man im Baumarkt bekommt, selbst bauen. Barbara und Erich, die Betreiber der Finca, legen großen Wert darauf, möglichst unabhängig leben zu können. Die Sonne ist der Energielieferant, auf der Erde wächst das Essen. Mit Führungen durch ihr Gelände verdienen sie sich für die noch nötigen Einkäufe ein bisschen Geld dazu. Erich betreibt die eigene Webseite (www.matricultura.org) und betreut noch eine weitere als kleinen Zuverdienst (die von Bern Senf, www.berndsenf.de). Übers Web sind sie weltweit vernetzt, ansonsten wirtschaften sie vor allem lokal.
Ein paar Tage nach dem Besuch der Autarca-Gemeinschaft, beim Anblick der hässlichen Bananenmonokulturen hier überall in Küstennähe, kam mir die Idee: La Palma als Öko-Modellregion, das wär’s! Nach dem »Wunder von Wörgl« jetzt ein Wunder von La Palma? So viel fehlt da ja nicht. Unser Autor Gerd Soballa saß vor ein paar Jahren als Architekt in einem Kreis lokaler Autoritäten, die verbindlich entschieden, die ganze Insel auf nachhaltige Energien umzustellen. Kurz darauf aber war die Entscheidung wieder vom Tisch. Anscheinend hatten sich die alten Seilschaften hier wieder durchgesetzt, die am Status quo verdienen. Die Arbeitslosigkeit hier ist jedoch hoch, und die Bananensubventionierung hält vielleicht nicht ewig. Wenn der regierende Inselrat entscheiden würde, hier nur noch Bio-Landwirtschaftsbetriebe zu erlauben, und möglichst nach Permakultur-Richtlinien, könnte La Palma zu einer weltweit beachteten Pilot-Region werden.
BIP oder Glück?
Von Robert F. Kennedy ist der Satz überliefert: »Das Bruttoinlandsprodukt misst alles – außer dem, was das Leben lebenswert macht.« Die Leute von Autarca leben gut. Ihre Nahrung ist um Welten besser als die des Durchschnittsbürgers. Sie leben auf ihrem eigenen Land, naturnah, sie brauchen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen nicht zu fürchten – nach den üblichen Messlatten der Wirtschaft aber sind sie arm und brauchen das, was der Neoliberalismus seit Jahrzehnten unablässig predigt: Wachstum, Wachstum, Wachstum. Dabei wächst auf ihrer Finca die Natur nun wieder, sie kann sich erholen. Es kommen wieder Vögel, Schmetterlinge und Bienen, es ist eine Freude, dort spazieren zu gehen. Während die Wachstumsmaschinen der Welt per Fracking mit Giften Öl aus der Erde pressen, den Rest des Urwaldes von Borneo für Palmölplantagen roden, mit Schleppnetzen, die den Meeresboden zerstören, Fische fangen und so noch eine Weile in ihren Tabellen Wirtschaftswachstum vorweisen können.
Das Himalayaland Bhutan hat der Welt den Begriff des »nationalen Glücksindex« gebracht, der das inzwischen für die Messung von Fortschritt weitgehend nutzlose BIP ablösen soll. Ein »armes und rückständiges« buddhistisches Land hat damit angefangen, aber die Idee breitet sich aus. Inzwischen sind führende Sozialforscher davon überzeugt, dass der noch überall herrschende BIP-Kult sehr schädliche Wirkungen hat. Sobald die Grundbedürfnisse gedeckt sind, wächst das subjektive Glücksempfinden des einzelnen Menschen mit zunehmendem Reichtum nämlich nicht mehr. Aber die Schäden, die das Streben nach immer mehr Macht, Geld und Reichtum auf der Welt anrichtet, sind immens.
Bitte noch ein paar mehr Verrückte!
Slow Food, Slow Sex, Entschleunigung, Konsumverweigerung, Lokalismus, das sind schon ein paar recht gute Bewegungen gegen den Wahnsinn unserer Zeit. Sie müssen nun noch ein bisschen mehr werden als nur Modewellen. Es braucht noch ein paar mehr Verrückte vom Typ Mike Reynolds, dem Erfinder der Earthships. Menschen, die auch angesichts von Widerständen nicht den Mut verlieren und die Hoffnung nicht aufgeben. Als Mike Reynolds mit dem Bau der Earthships begann, wurde er aus der US-amerikanischen Architektenvereinigung ausgestoßen. Als er in Mexiko aus weggeworfenen Autoreifen Hauswände baute, die eine Heizung überflüssig machten, werteten die Behörden das als »illegale Abfallentsorgung«. Anstatt ihm um den Hals zu fallen, dass er damit zugleich von den Müllkippen diesen schwierigen Stoff entfernt hatte, auf gesunde Weise, und auch noch für ein Wohnhaus ein Stückchen mehr Freiheit von Ölimporten schuf.
Nein, nicht aufgeben
Auch wenn einen angesichts von Massenbewegungen manchmal schier die Verzweiflung packt. Es ist doch ganz einfach! Man braucht nur das Ego zu verstehen. Jeden Tag ein bisschen meditieren – nun weiß ja auch die Wissenschaft (und die deutschen Massenmedien wissen es), dass Meditation gesund ist und die Intelligenz und Kreativität verbessert. Das kleine Ich darf werten, trotz Eso-Schelte, es muss sogar werten und sich entscheiden, sich gut entscheiden, jeden Tag. Und es darf und sollte aus dem Wissen um das Ganze, die Eingebundenheit jedes Einzelnen lokal handeln. Und wenn man dabei zu verbiestert wird, hilft Humor: Auch gut zu sein ist ja nur eine Rolle. Und es braucht ein neues Verständnis der Evolution von Darwin & Co. Und ab und zu braucht es einen Aufschrei von Einzelnen. Vielleicht auch deinen Aufschrei. Oder sowas wie das Buch »Empört euch« von Stéphane Hessel. Oder die Provokationen von Osho. Oder die Genialität und das Durchhaltevermögen von einem wie Mike Reynolds. Es braucht spirituelle Rebellion, eine schäfische Spiritualität können wir nicht brauchen.
Die britische Wissenschaftszeitschrift Nature veröffentlichte im Januar einen exzellenten Artikel über den Unsinn des BIP (engl. GDP) als Indikator von Fortschritt: http://www.nature.com/news/development-time-to-leave-gdp-behind-1.14499
Mehr über die matriarchal-permakulturell orientierte Gemeinschaft von Barbara und Erich auf La Palma findet ihr auf: www.matricultura.org
Wolf Schneider, Jg. 1952. Autor, Redakteur, Kursleiter. Studium der Naturwissenschaften und Philosophie (1971-75) in München. 1975-77 in Asien. 1985 Gründung der Zeitschrift connection. Seit 2008 Theaterspiel & Kabarett. Kontakt: schneider@connection.de. Blogs auf connection.de und auf schreibkunst.com




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Radio-Interview mit Wolf Schneider:
Teil 1 - Teil 2 - Teil 3 - Teil 4





Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jahrgang 1952, studierte Naturwissenschaften und Philosophie in München. Schon während seines Studiums begab er sich auf Reisen. Die nächsten Jahre verbrachte er in Europa und Südasien, wo er ab 1976 als buddhistischer Mönch in Thailand lebte und von 1977-1990 Schüler von Osho war. Zurück in München gründete er 1985 die Zeitschrift connection, die noch heute als connection Spirit mit der Sonderheftreihe connection Special erscheint. Seinen 2005 gegründeten Verlag mit integrierter "Schule der Kommunikation" wandelte er Anfang 2008 erfolgreich in eine AG um. Im Connectionhaus veranstaltet er Jahrestrainings unter dem Motto: "Kreativität, Kommunikation und Inszenierung". Mit seiner offenen, ehrlichen und humorvollen Art zu kommunizieren, schenkte er uns ein wunderbares Theaterstück (Zauberkraft der Sprache) und zahlreiche Bücher, die uns Leser in eine spannende Welt der Spiritualität entführen. Sein neuestes Buch: "Das kleine Lexikon esoterischer Irrtümer" erscheint im August 2008 im Gütersloher Verlagshaus.



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