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Sind Erleuchtete nett?
Interview mit Gaia von tpk
tpk: Lieber Gaia, gerade hatte ich mit Dir über Skype geflaxt, dass ich Nettigkeit als die Essenz spiritueller Entwicklung betrachten würde. Du hast daraufhin gefragt, ob ich das ernst meinen würde, denn Du würdest eine Menge nette Leute kennen, die mit spiritueller Entwicklung überhaupt nichts am Hut hätten.
Ich nehm das mal als Aufhänger für die Frage nach dem Zusammenhang von menschlicher, moralischer Integrität und Spiritualität. Besteht da für Dich ein Zusammenhang?
                  
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Gaia: Nein - da besteht für mich kein Zusammenhang. Entweder man ist nett oder eben nicht. Egal, wie oft und wie lange meditiert wurde. Man sucht sich das nicht aus wie lange man meditiert und wie nett man ist. Wahrscheinlich wären die meisten Menschen gerne nett, da das "Echo" angenehmer ist. Um die Frage nun genauer zu beantworten in Bezug auf Spiritualität, müsste man den Begriff Spiritualität definieren. Was meinst du damit genau?

tpk: Ok, ich definiere mal für mich: Auf dem spirituellen Weg strebe ich danach, mit mir und dem Rest der Welt in Frieden zu kommen.

Gaia: Viele, die sich auf dem sprirituellen Weg befinden, egal wie lange schon und eventuell tatsächlich mit allem im Frieden sind, müssen deshalb nicht nette Charaktere haben, und viele nette Menschen hatten nie das Interesse, einen spirituellen Weg zu beschreiten um mit
allem im Frieden zu sein. Also: kein Zusammenhang!

tpk: Damit willst Du sagen, dass Spiritualität nicht alle Charaktere gleich macht, sondern auch "erleuchtete" Menschen durchaus ihre
Persönlichkeits- und Charaktermerkmale behalten?

Gaia: Ja genau - Spritualität macht nicht alle Charaktere gleich und "Erleuchtung" ändert nicht unbedingt Persönlichkeits- und Charaktermerkmale, kann aber.

tpk: Ich lasse mal den Begriff "nett" fallen, weil der nicht eindeutig ist. Der indische Begriff "sattvisch" (rein, wahrhaftig,
liebevoll, weise) trifft besser, worum es mir geht. Bei Ramana Maharshi hab ich mal gelesen: Ein Jnani - also ein "Erleuchteter" -
könne gar nicht anders als sattvisch handeln. Wie siehst Du das?

Gaia: Ich sehe es so, dass es keinen individuell Handelnden gibt. Also gibt es auch keine Handlung eines "Erleuchteten". Hier würde es so ausgedrückt werden: Im Falle der Erleuchtung (Bewusstheit darüber, dass SEIN die einzige Realität ist) gibt es keinen Grund, anders als sattvisch zu handeln. Ist also diese Bewusstheit über das Selbst vorhanden, so ist in dem Moment die Erfahrung, dass nichts getrennt ist von "mir" - da kann also nur "sattvisch" gehandelt werden. Nicht "sattvisch" gehandelt wird nur, wenn die Bewussheit über die Wahrheit abwesend ist.

tpk: Unser Problem wäre demnach das Ego, das sich, wie sein Name schon sagt,egoistisch verhält, verhalten kann. Meinst Du, es gibt Menschen, die immer ohne Ego sind, oder kommt und geht das bei jedem?

Gaia: Das Problem wäre nicht das Ego, sondern die Abwesenheit der Bewusstheit über das "ewige Sein", das wir wirklich sind. Aber das ist auch nicht wirklich ein Problem, sondern einfach nur Abwesenheit von Bewusstheit. Allerdings kann diese Abwesenheit von Bewusstheit leicht egoistische Handlungen, Verletzungen, sich verletzt fühlen und entsprechend zu reagieren nach sich ziehen.

Ob es Menschen gibt, die sich immer dessen bewusst sind, kann ich nicht beurteilen. Ich kenne Menschen, die sich manchmal, öfters und sehr oft dessen bewusst sind. Ich kenne auch Menschen, die behauptet haben, sie seien ständig egolos und ständig im Gewahrsein des Selbst und habe nach ihren Behauptungen ich-bezogene Handlungen und Äußerungen von ihnen erlebt. Aber ich kenne keinen Menschen, von dem ich behaupten würde, dass er ständig egolos wäre. Ich kenne Menschen, die häufig mit ihrer Aufmerksamkeit im Sein ruhen und in deren Präsenz zu sein sehr angenehm ist.

tpk: Wenn es keinen Handelnden gibt: wer oder was handelt denn?

Gaia: Wer lässt den Regen regnen, die Sonne scheinen, die Wolken ziehen, die Erde sich drehen? Hier geschehen ständig Handlungen, die aber niemand macht. Überall und andauernd. Das Tippen dieser Buchstaben geschieht genauso wie das Drehen der Erde - es gehört quasi dazu. Es gehört zur Auswirkung des Urknalls, den auch niemand gemacht hat. Wir wissen nicht, wie man einen Gedanken denkt, ein Gefühl fühlt oder eine Erfahrung macht. Diese Handlungen geschehen einfach. Wer lässt nach der Empfängnis die Zellen sich teilen und dieses Wunder des Menschwerdens geschehen? Niemand. Es geschieht.
Der Größenwahn der Kirche hat sich auf die Menschen übertragen, dass die meisten nun selber glauben, sie hätten einen freien Willen mit dem sie sich alles untertan machen könnten und Handlungen bestimmen könnten.
Tatsächlich wird jedoch ständig eine andere Erfahrung gemacht, aber scheinbar vollkommen ausgeblendet.

tpk: Hab ich denn eine Entscheidungsmöglichkeit, ob ich in "Abwesenheit von Bewusstheit" handele, also egoistisch, oder stattdessen mit der Aufmerksamkeit im Sein ruhe?

Gaia: Nein - und ja - und nein...
Ich versuche es mal zu erklären: Wenn es die größte Sehnsucht ist, Frieden zu erleben, dann kann erforscht werden, wo dieses Angebot für Frieden erfüllt wird. Nämlich da wo gehäuft Imulse kommen, die Essenz zu erleben. Ob man allerdings an dieses Angebot herankommt, kann man nicht entscheiden. Oft wird ja auch in der Werbung Frieden angeboten und was ganz anderes findet dann statt.
Ein Beispiel aus dem praktischen Leben: Kommt der Impuls (Sehnsucht), sich ein neues Auto zu kaufen, wird man schauen z.B. welcher Typ es sein soll und welche Farbe (Bewusstheit) und plötzlich siehst du ganz viele Angebote für dieses Auto. Vorher hättest du es nie bemerkt, weil der Impuls nicht da war.
Möchtest du nicht in Hundescheiße treten, und der Impuls wird gesetzt..., dann schaut man auf den Gehweg. Nun siehst du die Scheiße und trittst nicht hinein, es sei denn, du bist abgelenkt. Aber eine Wahl ist da nicht wirklich.
Wird die Scheiße gesehen, tritt man nicht rein. Wird die Scheiße nicht gesehen steht die Chance bei 50/50... Von Wahl- oder Entscheidungsfreiheit kann man da nicht sprechen.

tpk: Du meinst, über die Impulse (Idee, ein Auto zu kaufen oder auf die Straße zu schauen) hat man keine Handhabe?
 
Gaia: Was meinst du genau mit Handhabe?

tpk: Einfluss. Jeder normale Mensch würde doch sagen: Das war meine Idee, dieses Auto zu kaufen, und in Sachen Gehwegen muss man sich halt konzentrieren ...
 
Gaia: Über die Impulse hat man keinen Einfluss. Über den Impuls, ein Auto zu kaufen genauso wenig wie über den Impuls, ein erwachtes Leben zu leben. Interesse an was auch immer taucht ja einfach so auf. Man überlegt sich ja nicht abends: "So, ab morgen interessiere ich mich mal für Erleuchtung"... Nein - auf einmal ist das Interesse da oder nicht. Das zieht die nächste Reaktion und den nächsten Impuls nach sich. Es gibt nicht "meine" Idee, "mein" Gefühl, "mein" Leben. Es gibt Ideen, Gefühle, Leben aber nichts davon ist meins. Diesen "Besitzer" von Erfahrungen (ICH) gibt es nicht. Denjenigen, dem das alles passiert, den gibt es nicht wirklich. Dieser "Jemand" ist nur ein weitverbreiteter Gedanke.


tpk: Der Jemand fühlt sich aber verdammt echt an ...

Gaia: Ja, das ist wie im Traum, da fühlt es sich auch echt an. Selbst die unglaublichsten Dinge fühlen sich total echt an. Und plöztlich beim Erwachen wird bemerkt, dass der "Jemand" nur ein Traum war. Ein Albtraum eigentlich, denn dieser Jemand musste alles richtig entscheiden, hatte für (fast) alles die Verantwortung und Schuld an so vielen falschen Entscheidungen. Und beim Aufwachen hat sich die ganze Problematik aufgelöst.

tpk: Kann man denn aus dem Leben so drastisch aufwachen wie aus einem Traum?
 
Gaia: Ja! Allerdings würde ich es etwas anders bezeichnen, als aus dem Leben aufzuwachen, sondern eher als Aufachen aus dem Traum, jemand zu sein, der ein Leben hat. Das Leben findet statt in der unendlichen Stille des Seins. Das kann erkannt werden. Dieses Aufwachen kann passieren. Drastisch, direkt und unmittelbar. Das Identifizieren mit dem Traum kann auch direkt passieren und doch geschieht es alles in der unendlichen Wahrheit des Seins. Sich bewusst darüber zu sein, dass eine Erfahrung die Stille, die ich bin, nicht beeinflusst und ich als Stille oder Bewusstsein, nicht berührt bin davon, ist ein drastisches Aufwachen. Trotzdem sind da Erfahrungen, die verschieden interpretiert werden als z.B. freudvoll, friedvoll, traurig, schmerzlich usw.
Um nochmal bei oben erwähntem Bild zu bleiben, könnte man sagen, dass wenn man aus dem Albtraum erwacht ist, der Traum trotzdem noch seine Nachwirkungen haben kann in Form von Gefühlen und Interpretationen.


tpk: Und unmittelbar nach dem Aufwachen ist man dann so richtig nett, weil man froh ist, dass es nur ein Traum war, oder?

Gaia: Nun... "nach dem Aufwachen" gibt es keinen Grund, nicht nett zu sein, und es gibt keinen Grund, nett zu sein. Es ist einfach wie es ist. ES drückt sich einfach aus - nett oder nicht nett. Nett gehört zum Traum. Zum Traum der Dualität, die auch im WachSein geschieht. Nur im WachSein kann Bewusstheit über den Traum da sein. Charktereigenschaften, zu denen ja auch nett oder nicht nett gehören, ändern sich mit dem Aufwachen nicht großartig. Du kannst z.B. nach einem Albtraum wo du Arme und Beine verloren hast, aufwachen und trotzdem nicht nett zu deinem Hund sein, der dir gerade durchs Gesicht leckt. Oder wenn du beim Erwachen bemerkst, dass du reine Liebe bist, handelst du nicht mehr so, als bräuchtest du Liebe, was von Liebebedürftigen als nicht nett bezeichnet werden könnte. Erwachen hat nach wie vor mit nett sein nichts zu tun.
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